Saudi-arabischer Blogger: Raif Badawi droht die Todesstrafe

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Amnesty International

Blogger Badawi: „Abfall vom Glauben“ kann mit dem Tod bestraft werden

1000 Peitschenhiebe sind womöglich nicht genug: Das saudische Strafgericht will den islamkritischen Blogger Badawi offenbar wegen „Abfalls vom Glauben“ anklagen. Darauf droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe.

London – Dem saudi-arabischen Blogger Raif Badawi droht bei einer Neuauflage seines Prozesses offenbar die Todesstrafe. Das berichtete der britische „Independent“ unter Berufung auf seine Ehefrau Ensaf Haider.

Haider, die 2012 mit ihren drei Kindern nach Kanada geflohen war und von dort um die Freilassung ihres Mannes kämpft, sagte der Zeitung, das Strafgericht des streng muslimischen Landes wolle den Blogger wegen „Abfalls vom Glauben“ anklagen. Ein „Verbrechen“, das im schlimmsten Fall mit dem Tod bestraft wird.Die „beängstigende Information“ stammt laut Haider aus „offiziellen Quellen“ innerhalb des saudischen Königshauses.

Badawi war 2014 wegen angeblicher Beleidigung des Islam zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Auf seiner Internetseite hatte er immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in Saudi-Arabien vorherrschenden strengen Auslegung des Islam kritisiert.

Der 31-Jährige musste am 9. Januar die ersten 50 Hiebe über sich ergehen lassen. Anschließend wurde die wöchentlich geplante Auspeitschung immer wieder verschoben – offiziell zunächst aus gesundheitlichen Gründen.

Über den aktuellen Gesundheitszustand Badawis ist wenig bekannt. Haider sagte dem ZDF am Sonntag, dass sie nur unregelmäßig für einige Minuten mit ihm telefonieren könne. Ihrem Mann gehe es „überhaupt nicht gut und auch seiner Psyche geht es nicht gut“.

Haider bittet Gabriel um Unterstützung

International hat der Fall Badawi Entsetzen ausgelöst. Auch die EU und die USA kritisierten das Vorgehen der saudischen Regierung scharf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Strafe für Badawi als „grausam, falsch, ungerecht und sowieso völlig unverhältnismäßig“.

Badawis Ehefrau bat Sigmar Gabriel im ZDF, sich für ihren Mann einzusetzen. Der Wirtschaftsminister reist kommendes Wochenende nach Saudi-Arabien. „Ich wünsche mir, dass Vizekanzler Gabriel in Verbindung tritt mit den Verantwortlichen in Saudi-Arabien und sie um die Freilassung Raifs bittet. Und nicht nur um die Freilassung, sondern auch, dass er von Saudi-Arabien nach Kanada ausreisen kann“, sagte Haidar.Gabriel sagte dazu dem ZDF, dass sich in der deutschen Bundesregierung „praktisch alle, die irgendeine Chance haben, für die Freilassung und für den Stopp der Haftstrafe einsetzen“. Es sei aber wichtig, dies „sinnvollerweise nicht im Fernsehen“ zu besprechen.

Er werde auf jeden Fall mit der saudi-arabischen Regierung über Menschenrechte sprechen, kündigte der SPD-Politiker an. Er reist am Samstag und Sonntag begleitet von einer großen deutschen Wirtschaftsdelegation zu einem deutsch-saudischen Wirtschaftsgipfel nach Saudi-Arabien.

sun/AFP

Quelle: Spiegel Online

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