Deutsche Unternehmerkultur

Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.

Lieber Geld verlieren als Vertrauen.

Diese beiden bemerkenswerten Sätze stammen von Robert Bosch (1861 – 1942).

Doch bundesdeutschen Unternehmern sind derartige Ideen fremd. Auch bei ihnen ist die Geiz-ist-geil-Mentalität angekommen. Da danken wir doch dem sozialdemokratischen Gerhard Schröder, unter dessen Herrschaft die Agenda 2010 vom Stapel lief.

Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich mir so die personalpolitischen Praktiken in vielen kleinen, mittelständigen und Großunternehmen ansehe und miterlebe:

Da gibt es die „berühmten“ Zeitarbeitsverträge. Stelle ich einen Arbeitslosen ein, lasse ich mir natürlich Lohnkostenzuschüsse und Einstellprämien zahlen. Für ein Jahr. Dann kommt noch ein Jahr „Nachbeschäftigungszeitraum“. Damit wurde der Ein-Jahres-Vertrag einmal verlängert und dann auslaufen gelassen. Keine Kündigung notwendig, keine Zustimmung des Betriebsrates erforderlich. Und am nächsten Tag steht der Nächste auf der Matte, um die Arbeit zu verrichten. Am besten ein „Mit“bürger mit Migrationshintergrund befristeter Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, aus der Arbeitslosigkeit. Die Geldquelle sprudelt erneut.

Und eigentlich sind die Begriffe „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ verfälscht: Der Unternehmer, der Geschäftsinhaber nimmt die Arbeit, die der Angestellte gibt, weil er seine Arbeitskraft verkaufen muß.

Denkt darüber eigentlich noch jemand nach?

Da sind wir also mal wieder bei Karl Marx, der die Wirkungsweise des Kapitals analysiert hat. Grundlage ist das Privateigentum an Produktionsmitteln. Maschinen, Anlagen, Grund und Boden, Gebäude. Doch all das ist keinen Pfifferling wert, wenn es niemanden gibt, der die Maschinen und Anlagen bedient, der Grund und Boden bewirtschaftet, Gebäude errichtet und unterhält. Also braucht der, der Kapital besitzt – und damit die Produktionsmittel – die Arbeitskräfte, die Angestellten, die Arbeiter, die Landarbeiter. Sonst ist alles nichts wert.

Und damit sind wir wieder bei Robert Bosch.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre.  Diesen Satz kann wohl kaum noch jemand hören, der im Berufsleben steht. Doch Lehrlinge, Entschuldigung heißt ja heutzutage Azubi, werden immer noch als billige Arbeitskräfte mißbraucht, als Lückenfüller, ohne Lehrzweck. Da wird die Unwissenheit der Lehrlinge genauso schamlos ausgenutzt wie deren Angst, die Lehrstelle zu verlieren.

Dieser Umgang mit Menschen ist einfach grausam.

Aber zum Glück gibt es ja das Anerkennungsgesetz von 2012. Und zum Glück gibt es ja jede Menge „Fachkräfte“ aus den „Drittstaaten“.

Gute Nacht Deutschland!

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