Mein Geschichtsbild wankt

NVA1977Damals, im Frühjahr 1977, war mein Leben noch in Ordnung: gutes Abitur in der Tasche und Studienplatz am Technikum in Mittweida sicher.

Mein Wissen war gut, weil meine Schulbildung ordentlich war (hatten doch die Finnen die DDR-Lehrpläne als Basis für ihr Bildungsprogramm genutzt). Es gab zwei deutsche Staaten als Ergebnis des 2. Weltkrieges. Und es gab ein klares Feindbild: die Bundeswehr und ihre NATO-Verbündeten.

Damals war es noch einfach: schwarz-weiß mit vielen Grautönen…

Daß aber auch die DDR-Geschichtsschreibung auf Propaganda fußte, wurde mir erst viel später bewußt.

Klar: die Sieger schreiben die Geschichte. Und Ereignisse werden geschönt, gefälscht, vertuscht.

Beginnend beim ersten Weltkrieg über den Völkerbund in Genf bis hin zum Nationalsozialismus – viel Propaganda auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs.

Aber Dank des Internets sind heute viele Quellen zugänglich. Und wer sich da einmal hineinkniet, wird so schnell nicht wieder losgelassen.

Wie war das mit der Gründung der NSDAP, wer finanzierte die deutsche WIrtschaft, wer waren die Hintermänner? All diese Fragen, die mich schon länger beschäftigten, wurden hier und da angesprochen, angerissen.

Der 1. September war in der DDR der Weltfriedenstag, denn von deutschem Boden sollte nie wieder Krieg ausgehen, und eine deutsche Mutter sollte nie wieder ihren Sohn beweinen (DDR-Hymne Becher/Eissler).

Daß der zweite Weltkrieg aber nicht so begann, wie es in der Schule vermittelt wurde, war mir neu:

Spätestens seit diesem Vortrag wird alles hinterfragt, was ich bis dahin an Geschichtswissen des 20. Jahrhunderts angesammelt hatte.

Und deswegen wankt mein Geschichtsbild, wobei eines außer Frage steht: der weltgrößte und gefährlichste Agressor, der Störenfried des Weltfriedens ist und bleibt die USA mit ihrem Vormachtsanspruch!

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8 Gedanken zu “Mein Geschichtsbild wankt

  1. Eine ganze Reihe Aspekte des Vortrags sind als Ergänzung hilfreich und durchaus interessant. Dennoch dürften kaum Zweifel daran bestehen, dass Hitler diesen Krieg wollte. Zum einen entspricht der Kriegsverlauf im Osten dem, was Hitler in „Mein Kampf“ publizierte. Zum anderen hatte Hitler nicht vor, sich an das geheime Zusatzprotokoll zu halten und hatte schon vor dem Angriff auf Polen vor, die Sowjetunion zu überfallen.

    Und schließlich hatte er die Kriegstauglichkeit der Luftwaffe bereits im spanischen Bürgerkrieg erprobt. Außerdem schätzte er die Rolle Englands und seine Friedensbereitschaft falsch ein. Schließlich lassen sich Fragen der militärischen Überlegenheit nicht allein durch die Truppenstärke beantworten.

    Herr Schultze-Rhonhof übersieht ein wesentliches Merkmal von Hitlers Handeln. Der Diktator war ein Meister der Täuschung und hat auch seine engsten Mitarbeiter lange über seine weitreichenden Absichten im Unklaren gelassen. Daher erscheint mir die Interpretation der Zusammenhänge und Ereignisse eher naiv.

  2. Hat dies auf Freiheit, Familie und Recht rebloggt und kommentierte:
    Auch mein Weltbild, was ich in meiner Jugend einmal hatte, existiert schon lange nicht mehr. Es gibt keine Ordnung in der Welt, sondern
    das System des Herrschens und Beherrschtseins. Dabei sind die
    Herrschenden in der Minderheit, was von den Beherrschten nicht wahrgenommen wird.

  3. …wer ist denn dieser Herr überhaupt, daß er sich anmaßt, auf eine solche hemdsärmelige Weise die Ursachen des 2.Weltkriegs beurteilen zu können? Diese plumpe und dilettantische Darstellung eines historischen Prozesses, ohne jede Kenntnis, ja selbst ohne die geringste Erwähnung der politisch-öjkonomischen Hintergründe und der daraus resultierenden Machtverhältnisse allein von Rüstungsbilanzen auf die Gründe des Kriegsbeginns schließen zu wollen, ist nicht nur eine ausgemachte Dummheit, sondern eine dreiste Geschichtserfindung. Kennt er nicht den Ausspruch von Clausewitz: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen (gewaltsamen) MItteln.“ – Der Vortrag ist unwissenschaftlich, laienhaft und – lächerlich!

    Nur ein kleiner Ausschnitt zur Richtigstellung: „Die Weltherrschaftsträume der deutschen Monopolisten wie das Revanchedenken der deutschen Militärs haben in Hitlers Partei einen willfährigen Anwalt. Beiden Gruppen wird im faschistisch gelenkten Staatsapparat sofort beherrschender Einfluß eingeräumt. Vertreter der größten Konzerne besetzen wichtige Positionen, die Verschmelzung von staatlicher und wirtschaftlicher Macht zum staatsmonpolistischen Kapitalismus auf eine weit höhere Stufe hebend. Den Beistand der militärischen Führung sichert der geheinme Ausbau der Reichswehr. In der umgehend einsetzenden Aufrüstungswelle decken sich die Interessen der Konzernherren und der Generäle völlig. Die Öffentlichkeit wird mit demagogischen Losungen von ’nationaler Selbstbestimmung‘ auf die bevorstehende Wiederaufrüstung vorbreitet.“ (Bergschicker: Deutsche Chronik 1933-1945, Verlag der Nation, Berlin, 1985, S.28)

    Aber wer in der DDR zur Schule gegangen ist, der hätte auch lernen können: Geschichte Klasse 9: 5.3.1. Die faschistischen Irrlehren zur Vorbreitung des Volkes auf den Krieg (S.156) oder 5.9.2. Das Münchner Abkommen und die Annexion der Tschechoslowakischen Republik (S.180) – da steht genug zur Vorgeschichte. Nichts von alledem in dem billigen und dümmlichen Vortrag dieses Herrn Amateur-„historikers“…

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