Erinnerung

Da stehe ich, wie so oft, an diesem Getreidefeld. DSCN1794

In meinen Gedanken höre ich die Sensen der Schnitter, wenn sie durch die Halme fahren.

Da spüre ich das Getreide im Arm, mit zwei Halmen die Garbe bindend. Der nächste stellt die Garben zu Puppen auf, damit sie in der Sommersonne noch trocknen. Der würzige Duft der mit abgemähten Kräuter am Feldrand steigt mir in die Nase.

Diese Erinnerungen sind gut 40 Jahre alt. Die Erlebnisse irgendwo zwischen Gobenow- und Plätlinsee.

Nein, es war nicht die Rückständigkeit. Auf den Äckern der Genossenschaft fuhren die Mähdrescher. Es war auf den Handtuchfeldern der Bauern zur Selbstversorgung.

Da half jeder jedem nach Feierabend.

DSCN1868Feierabend in der Landwirtschaft? – Ja, den gab es in der Genossenschaft. Und da gab es auch für die Bauern Urlaub und Bildung. Und Kultur. Es gab die Gemeindeschwester, die jeden kannte, die bei jedem Wehwehchen half.

Schule und Schulbus (kostenlos natürlich) gehörten genauso ins Dorf, oder an den Dorfrand. Mit Schulküche: 2,75 Mark pro Woche.

Der Schulgarten am Südende des Dorfes war aufgeteilt: Jede Klasse hatte ihren Bereich. Da wurden Beete angelegt, gesät, gepflegt, gejätet. Und die Ernte landete in der Schulküche,

Im Herbst ging es dann nach Schulschluß auf die Genossenschaftsfelder zum Kartoffelstoppeln. Pro Korb eine Marke, pro Marke gab es dann im Genossenschaftsbüro Geld. Geld für die Klassenkasse.

Aus der Kantine wurden Tee und Würstchen auf die Felder gebracht, Bauern zündeten in der Dämmerung das Kartoffelfeuer an. Würstchen und Kartoffeln auf Äste gespießt und ins Feuer gehalten.

Es war die Gemeinschaft, die sich gegenseitig half. Jeder nach seinen Kräften.

Und es war schön.

Ohne Telefon: Einfach aufs Fahrrad schwingen, ins Nachbardorf über sandigen Waldwegen  fahren. Irgendeiner war immer zuhause. Oder mit Opa auf dem Feld. Oder an der Schleuse. Oder beim Angeln.

Unser Leben war das Erbe von Tinko

Advertisements

Ein Gedanke zu “Erinnerung

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.