Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Resolution 217 A (III) der General-
versammlung der Vereinten Nationen
vom 10. Dezember 1948

Es gibt kulturelle Unterschiede, aber keine zivilisatorischen.
Wenn wir in Gesellschaften leben, (…)
dann bedeutet es, dass jedes Individuum dieselben
fundamentalen Rechte hat. Sie bedeuten zugleich,
dass man miteinander leben kann, dass man sich gegenseitig respektiert, dass man Verantwortung für den anderen hat –
das ist Zivilisation

Stéphane Hessel

PRÄAMBEL
Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der
gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder
der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von
Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,
da die Nichtanerkennung und Verachtung der Men-
schenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben,
die das Gewissen der Menschheit mit Empörung
erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt,
in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und
Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste
Streben des Menschen gilt,
da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die
Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch
nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand
gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen,
da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaft-
licher Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern,
da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta
ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte,
an die Würde und den Wert der menschlichen Person
und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau
erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen
Fortschritt und bessere Lebensbedingungen in größe-
rer Freiheit zu fördern,
da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in
Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf die
allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten hinzuwirken,
da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und
Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfül-
lung dieser Verpflichtung ist,
verkündet die Generalversammlung
diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als
das von allen Völkern und Nationen zu erreichende
gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle
Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets
gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unter-
richt und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten
und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende
nationale und internationale Maßnahmen ihre allge-
meine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung
durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie
auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt
unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.
Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und
Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen
begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlich-
keit begegnen.
Artikel 2
Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung
verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen
Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht,
Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschau-
ung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen,
Geburt oder sonstigem Stand.
Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden
auf Grund der politischen, rechtlichen oder interna-
tionalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine
Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig
ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung
besitzt oder sonst in seiner Souveränität einge-
schränkt ist.
Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit
der Person.
Artikel 4
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft ge-
halten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen
ihren Formen sind verboten.
Artikel 5
Niemand darf der Folter oder grausamer, unmensch-
licher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe
unterworfen werden.
Artikel 6
Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt
zu werden.
Artikel 7
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben
ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch
das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz
gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklä-
rung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer
derartigen Diskriminierung.
Artikel 8
Jeder hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf
bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen
Handlungen, durch die seine ihm nach der Verfas-
sung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte
verletzt werden.
Artikel 9
Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft
gehalten oder des Landes verwiesen werden.
Artikel 10
Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und
Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen straf-
rechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit An-
spruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren
vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.
Artikel 11
1. Jeder, der einer strafbaren Handlung beschuldigt
wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange
seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren,
in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen
Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewie-
sen ist.
2. Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlas-
sung verurteilt werden, die zur Zeit ihrer Begehung
nach innerstaatlichem oder internationalem Recht
nicht strafbar war. Ebenso darf keine schwerere Stra-
fe als die zum Zeitpunkt der Begehung der strafbaren
Handlung angedrohte Strafe verhängt werden.
Artikel 12
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Pri-
vatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen
Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre
und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat An-
spruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe
oder Beeinträchtigungen.
Artikel 13
1. Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates
frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu
wählen.
2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich
seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurück-
zukehren.
Artikel 14
1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfol-
gung Asyl zu suchen und zu genießen.
2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen
werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich
auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder
auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele
und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.
Artikel 15
1. Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.
2. Niemandem darf seine Staatsangehörigkeit willkür-
lich entzogen noch das Recht versagt werden, seine
Staatsangehörigkeit zu wechseln.
Artikel 16
1. Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede
Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsange-
hörigkeit oder der Religion das Recht zu heiraten und
eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschlie-
ßung, während der Ehe und bei deren Auflösung
gleiche Rechte.
2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter
Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen
werden.
3. Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der
Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch
Gesellschaft und Staat.
Artikel 17
1. Jeder hat das Recht, sowohl allein als auch in Ge-
meinschaft mit anderen Eigentum innezuhaben.
2. Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt
werden.
Artikel 18
Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Frei-
heit ein, seine Religion oder seine Überzeugung zu
wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine
Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit an-
deren, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung,
Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.
Artikel 19
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie
Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit
ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über
Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen
Informationen und Gedankengut zu suchen, zu emp-
fangen und zu verbreiten.
Artikel 20
1. Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu
versammeln und zu Vereinigungen zusammenzu-
schließen.
2. Niemand darf gezwungen werden, einer Vereini-
gung anzugehören.
Artikel 21
1. Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffent-
lichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar
oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.
2. Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffent-
lichen Ämtern in seinem Lande.
3. Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die
Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muß
durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und
gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder
einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum
Ausdruck kommen.
Artikel 22
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf
soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch inner-
staatliche Maßnahmen und internationale Zusam-
menarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organi-
sation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu
gelangen, die für seine Würde und die freie Entwick-
lung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.
Artikel 23
1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl,
auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen
sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen
Lohn für gleiche Arbeit.
3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und
befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie
eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz
sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale
Schutzmaßnahmen.
4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen
Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.
Artikel 24
Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und
insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der
Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.
Artikel 25
1. Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard,
der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl
gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung,
Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige
soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit
im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität
oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem
Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete
Umstände.
2. Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere
Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche
wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen
Schutz.
Artikel 26
1. Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist un-
entgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht
und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunter-
richt ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunter-
richt müssen allgemein verfügbar gemacht werden,
und der Hochschulunterricht muß allen gleicherma-
ßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.
2. Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der
menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung
der Achtung vor den Menschenrechten und Grund-
freiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis,
Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen
und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitra-
gen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die
Wahrung des Friedens förderlich sein.
3. Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der
Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden
soll.
Artikel 27
1. Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Ge-
meinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu
erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und
dessen Errungenschaften teilzuhaben.
2. Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und
materiellen Interessen, die ihm als Urheber von
Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst
erwachsen.
Artikel 28
Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationa-
le Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkünde-
ten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden
können.
Artikel 29
1. Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft,
in der allein die freie und volle Entfaltung seiner
Persönlichkeit möglich ist.
2. Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und
Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die
das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die
Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten
anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen
der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allge-
meinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft
zu genügen.
3. Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall
im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der
Vereinten Nationen ausgeübt werden.
Artikel 30
Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin
ausgelegt werden, daß sie für einen Staat, eine Gruppe
oder eine Person irgendein Recht begründet, eine
Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen,
welche die Beseitigung der in dieser Erklärung ver-
kündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.

Impressum
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde Ihnen überreicht durch die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie vom
Thüringer Kultusministerium.
Redaktion: Katharina Brand
http://www.buchenwald.de

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